Einblick, Zitat

Es schmerzt meinen Verstand, daß jemand glaubt, er ändere etwas, indem er aufbegehrt und aufrüttelt. Gewalt, welcher Art sie auch sei, war für mich immer eine besonders gravierende Form menschlicher Dummheit. Folglich sind alle Revolutionäre Dummköpfe und desgleichen alle Reformer, wenn auch, da weniger störend, in geringerem Maße.

[…]

Revolution? Veränderung? Ich will nur eines, und aus tiefster Seele: die bleiernen Wolken sollen sich verziehen, den Himmel mit mehr grau einseifen, das Blau will ich wieder sehen zwischen ihnen, eine Wahrheit, sicher und klar, weil sie nichts ist noch will.

Fernando Pessoa / Das Buch der Unruhe

das Blau will ich wieder sehen

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Einblick, Zitat

Betrachte die Heerde, die an dir vorüberweidet: sie weiss nicht was Gestern, was Heute ist, springt umher, frisst, ruht, verdaut, springt wieder, und so vom Morgen bis zur Nacht und von Tage zu Tage, kurz angebunden mit ihrer Lust und Unlust, nämlich an den Pflock des Augenblickes und deshalb weder schwermüthig noch überdrüssig. Fies zu sehen geht dem Menschen hart ein, weil er seines Menschenthums sich vor dem Thiere brüstet und doch an seinem Glücke eifersüchtig hinblickt – denn das will er allein, gleich dem Thiere weder überdrüssig noch unter Schmerzen leben, und will es doch vergebens, weil er es nicht will wie das Thier.

Friedrich Nietzsche / Unzeitgemässe Betrachtungen –  Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben

Pflock des Augenblicks

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Ich staune stets, wenn ich etwas zu Ende bringe. Ich staune und bin deprimiert. Mein Sinn für Vollkommenheit müßte mir jedes Zuendebringen verbieten; er müßte mir sogar verbieten, etwas in Angriff zu nehmen. Doch dann denke ich nicht daran und mache mich ans Werk. Was ich zustande bringe, ist nicht das Ergebnis eines Willensaktes, sondern einer Willensschwäche. Ich beginne, weil mir die Kraft zum Denken fehlt; ich führe zu Ende, weil mir der Mut zum Aufhören fehlt. Dieses Buch ist meine Feigheit.

Fernando Pessoa / Das Buch der Unruhe

Beginnen, weil die Kraft zum Denken fehlt

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Einblick

Still

Lektion Nr.2      

Still

 

Es ist still. Ich sitze auf einer Brücke. Sie ist aus Stein und sehr hoch. Unter der Brücke sprudeln die kalten Wasser eines Gebirgsbachs. Ich bin eine Taube und man kann mir nicht wehtun.

Es ist still und ich bin eine Taube.

Es ist still, weil ich das will.

Die Stille schmerze am meisten, sagt ein Baum zu meiner Rechten.

Der soll ruhig sein. Ich brauche keine dummen Sprüche.

Ich weiß, dass er recht hat.

Lieber wäre ich eine Brieftaube, aber …

Na ja, ihr wisst wie das ist.

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